Die Oberfläche ist der Ort, an dem sich alles entscheidet. User Interface Research untersucht, wie Menschen dort tatsächlich handeln, und macht aus Beobachtungen Entscheidungen.
Das Wichtigste in Kürze zu User Interface Research
User Interface Research untersucht das Verhalten von Menschen an der Benutzeroberfläche. Sie verbindet Beobachtung mit messbaren Nutzerdaten und zeigt, welche Elemente gesehen, verstanden und benutzt werden. Aus der Analyse entstehen konkrete Änderungen an der Oberfläche statt allgemeiner Empfehlungen.
Der Unterschied zur allgemeinen Nutzerforschung liegt im Ausschnitt. Diese fragt, was Menschen brauchen. UI-Research fragt, ob sie mit dem zurechtkommen, was vor ihnen auf dem Bildschirm steht.
Auf einen Blick: Zahlen und Fakten zu User Interface Research
Worauf stützt sich die Arbeit an der Oberfläche? Vier Eckdaten, alle öffentlich nachschlagbar. Besonders die System Usability Scale lohnt einen Blick, weil sie mit zehn Fragen einen vergleichbaren Wert liefert.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Standardisierter Fragebogen zur Bedienbarkeit | System Usability Scale (SUS), zehn Fragen, Wert von 0 bis 100 | Brooke, 1996 |
| Üblicher Schwellenwert für ein gutes Ergebnis | Ein SUS-Score ab etwa 68 liegt im Durchschnitt | Fachliteratur zur SUS |
| Nötige Testpersonen je Usability-Test | Fünf Personen finden rund 85 Prozent der Probleme | Nielsen Norman Group |
| Anerkannte Prüfregeln für Oberflächen | Zehn Usability-Heuristiken nach Nielsen, 1994 | Nielsen Norman Group |
Was ist User Interface Research?
User Interface Research ist die Analyse von Nutzerverhalten und Daten an der Oberfläche eines digitalen Produkts. Untersucht wird, was Menschen dort sehen, anklicken, übersehen und abbrechen. Das Ergebnis sind belegte Aussagen über einzelne Elemente, nicht über das Produkt im Ganzen.
Dafür kommen zwei Arten von Material zusammen. Auf der einen Seite Beobachtung: Wie geht jemand vor, wo stockt er, was sagt er dabei? Auf der anderen Seite Zahlen aus dem laufenden Betrieb: Wo brechen Menschen ab, wie lange dauert ein Schritt, welche Variante schneidet besser ab?
Beides allein führt in die Irre. Zahlen zeigen, dass etwas nicht funktioniert, aber nie warum. Beobachtung erklärt das Warum an fünf Personen, sagt aber nichts über die Verbreitung. Erst zusammen ergeben sie eine Grundlage, auf der sich eine Änderung begründen lässt.
Eine solche Nutzeranalyse lohnt sich für digitale Produkte jeder Größe. Bei einem Shop geht es um die Bestellstrecke, bei einer Software um die täglich wiederkehrenden Aufgaben, bei einer Website um den Weg zur Anfrage. Die Methoden bleiben dieselben, nur die Aufgaben ändern sich.
Methoden der UI-Research
Vier Methoden decken den größten Teil der Fragen ab. Sie unterscheiden sich vor allem darin, ob sie erklären oder messen.
Usability-Test
Testpersonen lösen echte Aufgaben, während jemand zusieht und sich zurückhält. Diese Methode zeigt die Stellen, an denen Menschen zögern, den falschen Weg nehmen oder aufgeben. Fünf Personen genügen, um den Großteil der Probleme zu finden.
System Usability Scale (SUS)
Ein standardisierter Fragebogen aus zehn Aussagen, den Teilnehmer nach der Nutzung ausfüllen. Daraus entsteht ein Wert zwischen 0 und 100. Der Nutzen liegt nicht im einzelnen Ergebnis, sondern im Vergleich: vorher gegen nachher, oder die eigene Anwendung gegen eine zweite.
Ein SUS-Score ab etwa 68 liegt im Durchschnitt. Wichtiger als die absolute Zahl ist die Bewegung über die Zeit. Wer denselben Fragebogen nach jedem größeren Umbau einsetzt, hat nach einem Jahr eine belastbare Kurve statt einer Meinung.
Eye-Tracking
Eine Kamera zeichnet auf, wohin Menschen schauen und in welcher Reihenfolge. Das beantwortet eine Frage, die sonst niemand zuverlässig beantworten kann: Wird ein Element überhaupt wahrgenommen? Ein Hinweis, den niemand sieht, ist kein Hinweis.
A/B-Testing
Beim A/B-Testing laufen zwei Varianten einer Seite parallel, und die Zahlen entscheiden. Die Methode ist streng, weil sie eine echte Messung liefert, und begrenzt, weil sie nur beantwortet, welche Variante gewinnt. Warum sie gewinnt, sagt sie nicht.
Deshalb steht sie am Ende, nicht am Anfang. Erst beobachten, dann eine Vermutung formulieren, dann zwei Varianten gegeneinander messen. Wer zuerst testet, misst zufällige Einfälle gegeneinander.
User Journey Research
Die einzelne Oberfläche ist selten das ganze Problem. User Journey Research verfolgt den Weg über mehrere Berührungspunkte hinweg: von der Anzeige über die Landingpage bis zur Bestätigungsmail. Oft liegt der Bruch nicht auf einer Seite, sondern zwischen zweien.
Typisch ist ein Wechsel der Sprache. In der Anzeige heißt es „Beratungstermin“, auf der Seite „Kontaktanfrage“, im Formular „Nachricht senden“. Für das Unternehmen ist das dasselbe. Für den Nutzer sind es drei Dinge.
User Needs Research
Bevor eine Oberfläche verbessert wird, lohnt die Frage, ob sie das Richtige anbietet. User Needs Research erhebt Bedürfnisse systematisch und ordnet sie nach Häufigkeit und Gewicht. Das Ergebnis ist eine Liste, die sagt, was zuerst gebaut wird.
Die Erhebung selbst ist unspektakulär: Gespräche, Beobachtung, ein Blick in Support-Anfragen. Gerade der letzte Punkt wird unterschätzt. Wer die häufigsten Rückfragen der letzten drei Monate liest, hat eine Bedürfnisliste, für die niemand ein Projekt beantragen musste.
User-led Research: Nutzer aktiv einbinden
Bei diesem Ansatz sind Nutzer nicht nur Untersuchungsgegenstand, sondern Beteiligte. Sie priorisieren mit, kommentieren Entwürfe und bewerten Lösungsvorschläge. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer mitentschieden hat, nutzt das Ergebnis eher.
Die Grenze liegt genauso klar. Nutzer sind Experten für ihr Problem, nicht für die Lösung. Wer sie nach der Lösung fragt, bekommt in der Regel eine Beschreibung dessen, was sie schon kennen. Die Aufgabe bleibt bei der Gestaltung.
UI-Research für bessere Conversion und Website-Erfolg
Warum lohnt sich der Aufwand? Weil an der Oberfläche gemessen wird, was alles davor gekostet hat. Jede Anzeige, jeder Beitrag und jede Optimierung führt am Ende auf eine Seite, auf der jemand entweder handelt oder geht.
Der Hebel ist deshalb größer, als er wirkt. Wer die Conversion von zwei auf drei Prozent bringt, hat den Ertrag derselben Besucherzahl um die Hälfte erhöht. Beim Werbebudget wäre dafür eine Steigerung um fünfzig Prozent nötig gewesen. Das tut deinem Geldbeutel gut.
Beim Website-Design gilt dasselbe. Entscheidungen, die auf Nutzerdaten beruhen, halten länger als solche, die auf Geschmack beruhen, weil sie sich begründen lassen. Und weil sich später überprüfen lässt, ob sie gestimmt haben.
Wenn du diese Arbeit nicht selbst machen willst: Wir übernehmen sie im Rahmen unserer UX-Agentur, führen einzelne Usability-Tests durch oder gestalten die Oberfläche gleich neu über unsere UX-/UI-Design-Agentur. Die Grundlagen der Nutzerforschung erklären wir im Beitrag zu User Research.
Häufige Fragen zu UI-Research
Was ist der Unterschied zwischen UI- und UX-Research?
UI-Research schaut auf die Oberfläche und ihre Elemente, UX-Research auf das gesamte Erlebnis mit einem Produkt. In der Praxis überschneiden sich beide stark. Die Trennung hilft vor allem dabei, den Umfang einer Untersuchung festzulegen.
Was ist ein guter SUS-Score?
Ein Wert ab etwa 68 liegt im Durchschnitt, alles darüber ist gut. Aussagekräftiger als die einzelne Zahl ist der Vergleich mit einer früheren Messung derselben Anwendung. Der Fragebogen besteht aus zehn Aussagen und dauert zwei Minuten.
Wie viele Nutzer braucht ein A/B-Test?
Das hängt vom erwarteten Unterschied ab. Kleine Verbesserungen brauchen sehr viele Teilnehmer, deutliche Unterschiede wenige. Bei niedrigem Verkehr auf der Website ist ein Usability-Test mit fünf Personen oft der schnellere Weg zu einer Antwort.
Lohnt sich UI-Research auch für kleine Websites?
Ja, und zwar besonders. Bei wenigen Besuchern zählt jede einzelne Anfrage. Ein Test mit fünf Personen kostet einen Tag und findet die Stellen, an denen genau diese Anfragen verloren gehen. Große Datenmengen braucht es dafür nicht.
Quellen und weiterführende Informationen zu User Interface Research
- Brooke, 1996: System Usability Scale, der standardisierte Fragebogen zur Bedienbarkeit.
- Nielsen: Zehn Usability-Heuristiken für die Gestaltung von Benutzeroberflächen, 1994.
- Nielsen und Landauer: Untersuchung zur Zahl nötiger Testpersonen, Nielsen Norman Group.
- ISO 9241-11: Gebrauchstauglichkeit als Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit.
Über den Autor: Michael Simon ist Geschäftsführer von Daily Marketing in Würzburg. Seit 2014 betreut er mit seinem Team Websites, Google Ads und SEO für mittelständische Unternehmen. Zuletzt geprüft im August 2026.
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